Müllbeseitigung, einmal im Quartal

Vor ungefähr zwei Jahren habe ich das Buch „Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer“ gelesen. Ein starkes Buch, welches ich durchaus jedem empfehlen kann. Auch wenn man nicht unbedingt Unternehmer werden will, kann man sehr viel dabei lernen. Was ich richtig gut fand, war die Idee der permanenten „Müllbeseitigung“. Was das bedeutet und welchen Zusammenhang es da zu Envato und meinem SNIP-Plugin gibt, steht in diesem Blogpost.

Was bedeutet Müllbeseitigung?

Ich nutze eine Todo-App namens „Tappsk„, die mich alle drei Monate (also einmal im Quartal) daran erinnert, einen kritischen Blick auf meine Projekte zu werfen. Dabei versuche ich die Frage zu beantworten, was denn davon noch sinnvoll ist und was nicht?

Grundsätzlich kann man das mit allem in seinem Leben machen: Was ist wichtig, was nicht? Was habe ich in der Vergangenheit getan, was mich aber meinen Zielen nicht weiterbringt?

Und Letzteres ist der Stichpunkt: Es ist okay zu sagen, dass man eventuell zu viel Zeit in Social Media verbringt, was aber, wenn man das für das eigene Unternehmen braucht? Dann ist es okay. Das Ganze ist also so individuell wie man selbst. Man fängt an, sein Tun und seine Produkte kritisch zu hinterfragen. Wichtig ist auch die Frage, ob man bestimmte Dinge weiterhin tun will. Quasi wie ein guter Vorsatz, den man am 1. Januar trifft.

Natürlich ändert sich das auch immer wieder. Deswegen sollte man seinen Müll auch öfter im Jahr beseitigen. Bestimmte Dinge (wie Covid-19) kann niemand vorhersehen, deswegen kann es sein, dass manche Produkte plötzlich nicht mehr nachgefragt werden. Viele Menschen tendieren dazu, alles online zu belassen. So war ich früher auch. Ich hatte wohl um die 15 Plugins online zum Verkauf. Einige wurden obsolet, weil der dahinter liegende Dienst nicht mehr weitergeführt wurde. So z. B. mein Google Drive CDN Plugin für WordPress. Google stellte den Betrieb der CDN-Funktion ein. Dadurch benötigte man das Plugin auch nicht mehr.

Andere Plugins verkauften sich einfach nicht gut. Sie erzeugten zwar auch zwei bis dreihundert Dollar pro Monat, aber warum behalten? Es reicht, wenn da eine kritische Support-Anfrage im Monat kommt. Da ist das Geld quasi gleich futsch, wenn man seinen Stundensatz gegenrechnet. Ein Plugin muss sich wie alle anderen Produkte gut verkaufen. Sonst macht das ganze Vorhaben wirtschaftlich keinen Sinn.

Entscheidungen treffen

Zur Müllbeseitigung gehört mehr als nur zu sagen „Ich mache jetzt dies und jenes nicht mehr“:

  • Will ich das Projekt/Produkt persönlich überhaupt weiterführen?
  • Macht es wirtschaftlich Sinn, das Projekt/Produkt weiterzuführen?
  • Komme ich mit dem Projekt/Produkt an mein(e) Ziel(e)?
  • Erreiche ich meine Ziele ohne das Projekt/Produkt schneller?
  • Und vieles mehr.

Das sind alles sehr wichtige Fragen. Sonst arbeitet man Monat für Monat und hat trotzdem das Gefühl, auf der Stelle zu treten.

Auf der anderen Seite steht die Erleichterung, die mit sich kommt, wenn man sich gegen die Weiterführung entscheidet. Ich spreche aus Erfahrung, weil es mit meinen besagten ca. 15 Plugins ja genauso war. Es war echt schwierig, sie alle zu beerdigen. Es war schwierig, auf das zusätzliche Einkommen zu verzichten. Vor allem dann, wenn man sowieso jeden Cent zweimal umdrehen muss.

Ich habe mir damals fest vorgenommen, mit SNIP verstärkt weiter zu machen. Nach der 80/20-Regel war es mein Zugpferd. Alle anderen Plugins habe ich dann langsam auslaufen lassen und dann bei CodeCanyon gelöscht. Das war schwierig und einige Kunden waren deswegen auch nicht glücklich. Aber so ist das im Unternehmenerleben: Man kann es nie allen Menschen recht machen.

Das Syndrom ohne Namen

Müllbeseitigung ist schwierig. Keine Frage. Wie oben beschrieben, hat das nicht nur finanzielle Auswirkungen. Immerhin muss man sich auch eingestehen, dass man Zeit (die bei mir z. B. in die Entwicklung floss) verbrannt hat. Zeit, die man nicht mehr zurückholen kann. Zeit, die man als „verloren“ ansehen könnte. Ich weiß, dass das letztlich nicht stimmt (weil man ja mit jeder Codezeile immer besser wird). Aber das sind die negativen Gedanken, mit denen man sich auch auseinandersetzen muss.

Bei mir kommend erschwerend hinzu, dass ich an einem Syndrom leide, für das ich noch keine Bezeichnung gefunden habe. Ich habe den Drang, permanent etwas Neues machen zu wollen oder besser: zu müssen! Mich langweilen Projekte plötzlich. Umso interessanter ist es, dass ich mit SNIP so lange erfolgreich war. Zum Zeitpunkt des Artikels war das Plugin schon 9 Jahre auf dem Markt. Eine unfassbar lange Zeit. Es aufgeben? Puhhh… sicherlich kann sich jeder vorstellen, dass das selbst für mich eine unfassbar schwierige Entscheidung wäre.

Zusammenhang mit Envato

Wie ich in einem meiner letzten Artikel zum Thema „Der Weg mit meinem Plugin“ (die ich schreibe, weil ich das Buch Traffic Secrets von Russell Brunson gelesen habe) erwähnt habe, wollte ich bei Envato noch mal genauer nachhaken. Immerhin hatte ich einen sehr guten Agentur-Sale gemacht und auf einen Schlag 200 Lizenzen verkauft. Das ging aber gehörig schief. Was genau steht im Artikel: Wie ich fast mehrere Tausend Dollar verlor.

Ich will noch nicht zu tief in die Thematik einsteigen, weil der Austausch mit dem Envato-Autor-Support noch läuft. Nur so viel: Es scheint so, als wäre CodeCanyon und ThemeForest generell auf einem absteigenden Ast. Man teilte mir mit, dass die Lebenszeit solcher Plattformen um die zehn Jahre beträgt. Envato hält sich nun schon etwas länger, aber allein die Aussage lässt vermuten, dass man hier langsam auf das Ende zugeht. Die Frage ist: Warum ist das so? Aber ich will sie mir eigentlich gar nicht beantworten, weil das letztlich auch nicht meine Sorge ist. Trotzdem ist es natürlich eine schlechte Nachricht, die dann auch sofort die Frage aufwirft: Wird mein Strukturierte Daten Plugin für WordPress auch irgendwann nicht mehr nachgefragt?

Aber auch diese Frage will ich zumindest jetzt noch nicht beantworten. Das wird aber definitiv noch folgen müssen. Immerhin muss man sich als Unternehmer Gedanken über die Zukunft machen. SNIP ist eines meiner Haupteinnahmequellen. Ich muss darauf vorbereitet sein, wenn sich da etwas ändert.

Wie geht’s weiter?

Ich werde definitiv weiter in Kontakt mit Envato bleiben und sehen, was ich noch erfahren kann, wie ich ihnen weiterhelfen kann und natürlich auch versuchen zu erfahren, wie sie mir weiterhelfen können. Dazu werde ich auch noch einmal meine Mastermind-Gruppe kontaktieren. Ein sehr spannendes Thema insgesamt.

Darüber hinaus ist meine ACF-Integration nun größtenteils abgeschlossen. Mir war wichtig, die Repeater-Funktion von ACF noch in SNIP zu integrieren. Alles andere ist erst einmal nicht so wichtig, weswegen ich mich dann wieder auf die nächsten Todos fokussieren werde.

Sehr spannend, nicht wahr? Stay tuned… es wird weitergehen! Die Frage ist nur wie!